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NEWSLETTER  JULI 2020
INHALT

Liebe Leser*innen,

vielerorts haben die Ferien schon begonnen, manche haben sich auf den Weg gemacht, um in der Region oder in anderen Ländern abzuschalten, aber auch Neues zu entdecken. Damit Sie auch zuhause Ihren Horizont erweitern können, haben wir Ihnen schon in unserem letzten Newsletter ein paar Buchtipps gegeben. Wir setzen diese Reihe interessanter Bücher aus Südosteuropa hier fort. Daneben stellen wir Ihnen drei besondere Autorinnen vor, die in ihren Büchern ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Zerfall Jugoslawiens verarbeiten, und wir empfehlen Ihnen unseren neuen Podcast.
Unsere Reihe „Literarisches Frühstück“ geht derweil erst mal in die Sommerpause. Ab September versorgen wir Sie wieder jeden Donnerstag mit neuen spannenden Gesprächen und Lesungen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre!

Antje Contius
Geschäftsleiterin S. Fischer Stiftung
Leitung der Geschäftsstelle TRADUKI


Buchtipp 1: Unter dem Feigenbaum von Goran Vojnović
Die berührende Familiensaga über den Verlust von Heimat und den Neubeginn ist eines der Lieblingsbücher von Antje Contius: "Unter dem Feigenbaum ist sehr sensibel, mit einem Hauch von Humor und mit wunderbar leichter Melancholie erzählt. Der Garten, in dem der Feigenbaum steht, wird zur spätsommerlichen Bühne." findet die Leiterin der Geschäftsstelle des TRADUKI-Netzwerks.  Das Buch, das 2018 bei Folio erschienen ist, spielt in Istrien und handelt von einem Baum, einem Haus und den Menschen darin. Der slowenische Autor Goran Vojnović führt in dieser Mischung aus Familiengeschichte und Geschichtspanorama eines untergegangenen Landes zurück in die vierziger bis siebziger Jahre. Mit dem Besuch im Haus des Großvaters beginnt die Suche eines jungen Mannes nach der eigenen Identität. Sie führt ihn unweigerlich in die Wirren auf dem Balkan. Der Zerfall des Staates und dessen neue Grenzen haben auch die Familienbande zerschnitten. Einzig der Feigenbaum im Garten seines Großvaters scheint alle Stürme unbeschadet überstanden zu haben. Goran Vojnović hat bereits mit seinem Roman Vaters Land (Folio 2016) gezeigt, dass er in der Lage ist, ein brisantes Thema klug und eingängig in Literatur zu verwandeln.

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Buchtipp 2: Chronos erntet von Mojca Kumerdej
Den opulenten Roman Chronos erntet (Wallstein 2019, Ü: Erwin Köstler) von Mojca Kumerdej empfiehlt Barbara Anderlič vom TRADUKI-Team als Lektüre für lange Sommerabende. Mit spitzer Zunge und ironischem Witz beschreibt die preisgekrönte slowenische Autorin die Gegenreformationsbewegungen auf dem Gebiet des heutigen Slowenien und die machtbesessenen Irrungen und Wirrungen von Krieg und Ideologie. Zwischen Springern und Täufern, Hexenorgien und Visitationen wird ein halluzinatorischer Sog erzeugt, der die Leser*innen in seinen Bann zieht: als führte Hunter S. Thompson selbst durch die ehemals innerösterreichischen Lande. Kein schnöder Historienroman, sondern eine beißende Schmähschrift, die in einer außerordentlichen Sprache der gegenwärtigen Gesellschaft den Spiegel vorhält.

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Buchtipp 3: Die Reparatur der Welt von Slobodan Šnajder
Den Jahrhundertroman Reparatur der Welt empfiehlt Andrej Lovšin vom TRADUKI-Team: "In seiner Familiengeschichte nimmt uns der Erzähler mit auf die Reise durch mehrere Jahrhunderte und durch halb Europa. Aus meiner Sicht ist das Buch wunderbar erzählt!“
Es ist die Geschichte deutscher Kolonisten, die Ende des 18. Jahrhunderts auf der Suche nach einem besseren Leben ins damals habsburgische Kroatien einwandern. Der Protagonist Georg Kempf zieht als Donauschwabe in den Zweiten Weltkrieg, um dann im Tito-Staat Jugoslawien sein Leben zu verbringen – ohne dass seine SS-Vergangenheit auffliegen soll. Dem Roman zugrunde liegen Texte und Briefe aus dem Familienarchiv. Šnajder präsentiert damit ein europäisches Schicksal im 20. Jahrhundert und erzählt zugleich die kroatisch-deutsche Familiengeschichte seines eigenen Vaters. Nicht nur das Buch ist empfehlenswert, meint Andrej Lovšin: „Eine Lesung mit Slobodan Šnajder zu besuchen ist ein besonderes Erlebnis. Hoffentlich ist das bald wieder möglich!"


Neuer Podcast: Literaturpalast Audiospur
Ein weiteres digitales Format macht die Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020–2022 jetzt hörbar. Tino Schlench, der sich mit seinem Blog „Literaturpalast“ schon seit Jahren der Literatur und Themen aus dem deutschen und europäischen Osten widmet und es 2019 damit ins Finale für den Buchblog Award geschafft hat, ist seit diesem Sommer mit einem neuen Podcast auf Sendung: „Literaturpalast Audiospur“ auf Spotify ist in Kooperation mit dem TRADUKI-Netzwerk entstanden. Einmal im Monat trifft Tino Schlench hier auf Autor*innen, Übersetzer*innen, Journalist*innen und andere Menschen des literarischen Lebens, die sich mit der Literatur Südosteuropas auseinandersetzen. Den Anfang machte ein Gespräch mit dem Autor Ilija Trojanow über das Schreiben als kommunikativen Akt, seinen neuen Roman Doppelte Spur (S. Fischer Verlag, 2020), über das Reisen zu Fuß und im Kopf und über die 'Fremdkehr' in sein Geburtsland Bulgarien. Reinhören lohnt sich!

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Starke Stimmen – Persönliche Einblicke in die Zeit nach dem Zerfall Jugoslawiens
Eine Reihe von Autorinnen aus Südosteuropa, die sich in ihren Heimatländern großer Bekanntheit und Beliebtheit erfreuen, geben in ihren Büchern sehr persönliche Einblicke in die Zeit nach dem Zerfall Jugoslawiens. Sie zeigen, welche Spuren der Krieg in den Einzelnen, in den Familien und in den Gesellschaften hinterlassen hat. Obwohl ihre Werke in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden, sind sie im deutschsprachigen Raum bisher kaum bekannt. Von Olja Savičević sind mit Lebt wohl, Cowboys und Sänger in der Nacht schon zwei Romane auf dem deutschsprachigen Markt erhältlich. Mit Catch the Rabbit von Lana Bastašić und Die Uhren in Mutters Zimmer von Tanja Stupar Trifunović kommen im nächsten Jahr zwei weitere mit dem Literaturpreis der Europäischen Union (EUPL) ausgezeichnete Werke dazu.


Aktualisierte Pressemappe online
Sie möchten mehr wissen über „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“? Wir haben die Pressemappe zur Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020–2022 um eine Liste der Neuerscheinungen und um weitere Autor*innen-Portraits ergänzt und zum Download auf unsere Website gestellt.

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Noch bis 2022 will „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa" als Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse südosteuropäische Autor*innen, Literatur und Kultur vorstellen. Zu dem kulturpolitisch so bedeutsamen Projekt haben sich Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien und Slowenien in Kooperation mit Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen. So unterschiedlich die Länder, ihre Völker, Sprachen, Religionen, ihre Geschichte und ihre Geschichten auch sein mögen – auf dem Common Ground präsentieren sie sich erstmals gemeinsam und stellen das Verbindende in den Vordergrund – unabhängig von historischen und aktuellen Konflikten. 

www.traduki.eu  
www.leipziger-buchmesse.de

Medienbüro „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“
Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020-2022
Mirjam Flender, Kirsten Lehnert, Svenja Pütz
+49 171 8112687  
presse@projekt2508.de


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